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Mathe mal anders und vor allem mit Spaß

Potsdamer Voltaire-Schule beschreitet neue Wege

Von Finnland lernen heißt rechnen lernen: So ähnlich könnte man beschreiben, was die Potsdamer Voltaire-Gesamtschule gerade erprobt. „Mathematiika“ heißt das Konzept, mit dem Schüler der 11. Klasse in Mathematik unterrichtet werden. Dabei sind die Lehrer eher Begleiter denn Pauker, denn die Schüler erarbeiten sich ihr Wissen auf eigene Faust – und sind voll des Lobes.

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Innenstadt. Wer sich auf einem Pausenhof umhört, bekommt schnell den Eindruck, dass Mathe ein ziemlich übler Bursche ist. Und das ist nicht nur bei Schülern so. „Es ist gesellschaftlich anerkannt, dass man Mathematik nicht kann, dass man Mathematik ablehnt“, sagt Lena Florian. „Das wollen wir ändern.“

Lena Florian ist Lehrerin an der Potsdamer Voltaire-Gesamtschule und betreut gemeinsam mit ihrem Kollegen Sebastian Grabow das vom Unterricht an der finnischen Partnerschule inspirierte Modell „Mathematiika“. Dabei bringen sie Schülern der 11. Klassen lineare, quadratische Funktionen und Co. anders nahe als es hierzulande an den meisten Schulen üblich ist: Sie lassen die Schüler einfach selbst machen. Kann nicht klappen? „Klappt aber“, sagt Sebastian Grabow. Bei Mathematiika geht es kurz gefasst darum, dass sich die Schüler in Freiarbeit selbst Informationen beschaffen und Wissen aneignen. Die Lehrer unterstützen sie, erklären ihnen Dinge, wo es nötig ist, beantworten ihre Fragen und motivieren sie, wenn doch mal die Lust auf Mathe abhanden kommt.

Lehrplan, Noten, eigene Wege

Mathematiika ist an den Lehrplan gebunden, jedoch entscheidet jeder Schüler innerhalb dieses Rahmens selbst, was er sich wann und wie aneignen möchte. Das Pensum ist dabei in Module strukturiert, die die Lehrer zu Beginn des Schuljahres vorstellen: So bekommen die Schüler einen Überblick und sehen, was wie viel Raum einnimmt. Zu jedem Thema gibt es drei Zugänge: den Leser, der zum Beispiel auf Bücher setzt, den Seher, der mit Videos arbeitet, und den Forscher, der sich ein Thema zum Beispiel über Spiele und Forschungsaufträge ertüftelt. Die Schüler können jederzeit zwischen den Zugängen wechseln und in dem Tempo arbeiten, das ihnen liegt.

Alle Mathematiika-Schüler erhalten Noten und beenden die Module mit denselben Tests. Innerhalb eines Moduls hat jeder eine zusätzliche Leistungsbeurteilung abzulegen: Ob Rollenspiel, Lern-Landkarte oder Vortrag – die Art ist frei wählbar.

Ein besseres Mathe-Verständnis und ein besseres Mathe-Verhältnis

Dass Mathematiika klappt, sagen auch die Schüler. Sie schätzen vor allem die offene Lernatmosphäre. „Ich will da jetzt nicht hin – das Gefühl hatte ich früher oft, wenn ich in den Mathe-Unterricht musste“, sagt Maÿlis Schneider (18). Das sei nun schon lange nicht mehr so. Sie sei entspannter und habe ein besseres Verständnis für die Mathematik entwickelt. Ähnlich geht es den Jacob Kayser (16): „Früher hieß es: Die Formel gilt und deshalb wendet ihr sie an. Ich habe mir immer die Frage gestellt: Warum denn? – Jetzt habe ich das Warum, den Hintergrund verstanden.“

Die Universität Potsdam begleitet Mathematiika und evaluiert das Konzept. Nach den Sommerferien beginnt auch eine 8. Klasse mit Mathematiika. Die Kurse aus der jetzigen Jahrgangsstufe 11 bleiben dem Konzept bis zum Abitur treu.

Von Nadine Fabian

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Den Voltaire-Schülern stinkt’s

Ekel-Alarm an Potsdams größter Schule

Abgewirtschaftete Waschbecken, abgeplatzte Farbe, schimmelnde Fugen, gebrochene Fliesen – und ein Gestank, der einen fast erschlägt. Schüler und Eltern der Voltaire-Gesamtschule in der Potsdamer Innenstadt schlagen Alarm: Die Zustände auf den Schultoiletten seien unerträglich. Und das seit Jahren.

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Innenstadt. Ekel-Alarm an der Voltaire-Gesamtschule: Schüler und Eltern fordern, dass die Toiletten in der größten weiterführenden Schule der Landeshauptstadt saniert werden. Während sich die Schüler an der Kampagne „Einstürzende Schulbauten“ der Stiftung Bildung zur Bundestagswahl 2017 im Internet beteiligen, machen die Eltern in der Potsdamer Stadtpolitik mobil.

Manuela Borchert, die Vorsitzende der Elternkonferenz, sprach nun im Bildungsausschuss vor. „Die Sanitäranlagen sind in einem desolaten Zustand“, sagte die Mutter eines Elftklässlers und präsentierte den Ausschussmitgliedern eindrucksvolle Fotos. „Egal, ob man die Toiletten im Schulhaus oder in der Turnhalle betritt, es ist einfach unerträglich.“ Abgewirtschaftete Waschbecken, abgeplatzte Farbe, schimmelnde Fugen, gebrochene Fliesen. „Und ein Gestank, der einen fast erschlägt.“ Laut Manuela Borchert zweifelt der Kommunale Immobilienservice (Kis) allerdings an der Geruchsbelästigung und schiebe den schlechten Dunst auf betriebsintensive Zeiten. „Die Geruchsbelästigung besteht aber permanent“, so Manuela Borchert. „Auch an Wochenenden und in den Schulferien.“

Mindestens 100.000 Spülungen pro Örtchen

Die Eltern vermuten, dass die Sanitäranlagen schlicht und einfach verschlissen sind. „Seit dem Jahr 2000 wurde daran definitiv nichts mehr gemacht, vermutlich noch länger“, sagt Manuela Borchert. „Wenn jeder Schüler am Tag nur ein einziges Mal auf die Toilette geht, bedeutet das, dass pro Toilette seit dem Jahr 2000 mindestens 100 000 Spülungen ausgelöst wurden. – Wir fordern, dass endlich etwas passiert, dass eine Grundsanierung erfolgt.“

Der Wunsch, dass die Sanitäranlagen erneuert werden, kommt nicht von ungefähr. Bereits vor zwei Jahren hat die Elternkonferenz deshalb mit dem Kis zusammengesessen. „Der Kis hat uns damals eine Rohrbefahrung zugesagt – sie hat aber bis heute nicht stattgefunden“, so Manuela Borchert.

Der Kis sagt, er habe keine baulichen Mängel feststellen können

„Die Prüfung wurde durchgeführt“, sagt in<d>es Stadtsprecher Markus Klier. „Dabei konnten keine baulichen Mängel festgestellt werden.“ Das wiederum können die anderen Eltern nicht glauben. Immerhin schicke der Kis nun die Putz-Kolonne zwei Mal statt einmal am Tag. „Das ist schön, hilft uns aber nicht weiter“, so Manuela Borchert. „Hier werden nur die Symptome, aber nicht die Ursachen bekämpft.“

Der Kis veranschlagt für eine grundlegende Sanierung der Schultoiletten eine sechsstellige Summe. Dass die angesichts der Fülle der Schulen in Potsdam in absehbarer Zeit investiert wird, ist unwahrscheinlich, sagte Petra Rademacher, Fachbereichsleiterin im Rathaus: „Priorität haben die Gefahrenabwehr und die Sicherung des Schulbetriebs.“ In der nächsten Sitzung wolle sie sagen, an welcher Stelle der Prioritätenliste die Voltaireschule steht. Kis-Vize Hansjörg Wapenhans versicherte indes: „Wir werden uns die Sache noch einmal angucken und eine Lösung finden.“

Von Nadine Fabian

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