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Sportlehrer mit Leib und Seele

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AUSGEZEICHNET MIT DEM LEHRERPREIS BRANDENBURG.

Bewegung ist gut und Muskelkater keine Krankheit: Andreas Balcke hat das Voltaire-Gymnasium sportlich weit nach vorne gebracht. Dafür wurde er nun mit dem Brandenburger Lehrerpreis ausgezeichnet..

Potsdam - Zwei Berufswünsche habe er als Jugendlicher gehabt, sagt Andreas Balcke: Radioreporter oder Sportlehrer. Geworden ist er Letzteres, aber auch als Lehrer braucht man ja ein Sendungsbewusstsein und muss hin und wieder „Ansagen“ machen. Dass er als Sport- und Geografielehrer am Voltaire-Gymnasium trotzdem immer fair und unaufgeregt bleibt und zudem die Schule sportlich stark vorangebracht hat, wurde nun auch vom Bildungsministerium honoriert: Balcke ist einer von drei Potsdamer Nominierten für den brandenburgischen Lehrerpreis 2017. Am heutigen Dienstagnachmittag wird der Preis in der Staatskanzlei Potsdam verliehen, nominiert sind insgesamt 50 Lehrerinnen und Lehrer.

Balcke ist Sportlehrer mit Leib und Seele: „In unserer ganzen Gesellschaft wird zu viel gesessen und sich zu wenig bewegt“, sagt er über seine pädagogische Motivation. „Sportler“ und „Nicht-Sportler“ gibt es für ihn nicht, da Bewegung für jeden Menschen wichtig und gesund sei. „Ich möchte, dass alle Schülerinnen und Schüler die Schule mit der Erkenntnis verlassen, dass Bewegung gut für sie und Muskelkater keine Krankheit ist“, sagt Balcke.

Voltaire-Schule Potsdam feiert seit Jahren sportliche Erfolge

Seitdem Balcke 2008 zum Voltaire-Gymnasium gekommen ist, sind unter anderem durch sein Engagement mehrere neue Schulsport-Events entstanden, etwa ein Basketball-Turnier, das regelmäßig in Kooperation mit Alba Berlin stattfindet. Auch außerhalb des Unterrichts organisiert Balcke immer wieder Veranstaltungen und Turniere und begleitet die Jugendlichen am Wochenende zu Wettkämpfen oder ins Skilager.

Obwohl das Voltaire-Gymnasium keine Sportschule ist, feiert sie seit einigen Jahren erstaunliche Erfolge: „Bei Jugend trainiert für Olympia haben wir es letztes Jahr bei Beach-Volleyball bis ins Bundesfinale geschafft, das war ein Riesenerfolg“, sagt Balcke stolz. Auch sonst spielt die Voltaire-Schule bei „Jugend trainiert für Olympia“ ganz vorne mit, vor allem in den Disziplinen Basketball, Volleyball, Tischtennis und Fußball, was nicht zuletzt Balcke zu verdanken ist.

Der 50-Jährige kennt Potsdam schon seit Studienzeiten: Geboren in Waren an der Müritz kam er 1987 nach dem Grundwehrdienst zum Studium nach Potsdam, an die Pädagogische Hochschule, aus der nach der Wende die Uni Potsdam gegründet wurde. Danach verschlug es ihn erst an Schulen in Berlin-Wilmersdorf und Brandenburg an der Havel, er kehrte jedoch nach Potsdam zurück, da hier nach wie vor viele alte Freunde lebten.

Balcke: „Wenn ich hierherkomme, habe ich immer gute Laune"

An der Voltaire-Schule fühle er sich überaus wohl, so Balcke, das Lehrer-Schüler-Klima sei sehr gut: „Wenn ich hierherkomme, habe ich immer gute Laune - ich wundere mich manchmal selber“, scherzt er. Trotz seines missionarischen Eifers in Sachen Sport versuche er nicht, jeden Jugendlichen zum Top-Sportler zu drillen, sondern vielmehr jede und jeden individuell zu motivieren, ohne zu viel Gewicht auf die Noten zu legen: „Wenn jemand nur eine Vier im 100-Meter-Laufen schafft, kann das trotzdem ein positives Erlebnis sein, wenn er oder sie richtig motiviert ist und seine persönliche Grenze dabei verschiebt“, sagt Balcke. „Jede Schülerin und jeder Schüler muss anders angeschoben werden.“ Dazu gehört auch, möglichst viele verschiedene Sportarten anzubieten, denn jeder habe persönliche Stärken und Schwächen und könne so seine Nische finden.

Von der Schulleitung wird dies ausdrücklich gefördert, was Balcke sehr freut, da er den Sportunterricht generell stiefmütterlich behandelt sieht: „Viele Schulleiter lassen den Schulsport hinten runter fallen, das sieht man zum Beispiel daran, dass bei ,Jugend trainiert für Olympia immer dieselben Schulen antreten.“

Alles gute Gründe für die Nominierung zum brandenburgischen Lehrerpreis, die Balcke aber eher unangenehm ist: „Ich würde meine Arbeit ja auch ohne diesen Preis genauso weitermachen“, sagt er. Wenn er ihn bekommen sollte, würde er ihn quasi stellvertretend für die Voltaire-Schule annehmen: „Ich finde, jeder andere Lehrer an dieser Schule würde den Preis genauso verdienen.“

UPDATE 23. Mai, 17.20 Uhr: Engagierte Lehrer mit Preis geehrt

Für herausragende Arbeit sind bei einer Festveranstaltung in Potsdam 18 Lehrer mit dem "Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis" ausgezeichnet worden. Der Sonderpreis des Bildungsministers ging an Lydia Grimm von der Havelschule Oranienburg (Oberhavel) für ihr Engagement bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien, wie das Bildungsministerium am Dienstag mitteilte. Für den Preis waren insgesamt 50 Lehrkräfte vorgeschlagen worden, die alle geehrt wurden und Urkunden sowie Füllfederhalter überreicht bekamen. Die Auszeichnung vor den rund 240 Gästen in der Staatskanzlei wurde von Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bildungsminister Günter Baaske (beide SPD) vorgenommen. Auch Andreas Balcke wurde ausgezeichnet.

Der Preis wurde zum sechsten Mal verliehen. Mit ihm werden alljährlich Lehrer ausgezeichnet, die sich über den regulären Unterricht hinaus für ihre Schüler engagieren. Die Vorschläge kommen von Schülern, Eltern, Lehrern sowie Schulträgern. Nach einer Vorauswahl durch die staatlichen Schulämter entscheidet eine Jury des Bildungsministeriums mit Vertretern des Landesschüler- und Landeselternrates. (dpa)

Von Erik Wenk

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Essbare Insekten und Blicke ins ewige Eis

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Ein Riesenerfolg: 15.000 Neugierige kamen am Samstag zum Potsdamer Tag der Wissenschaften nach Golm. Es wurden Fragen beantwortet wie: Wie kann man mit Gravitationswellen schwarze Löcher beobachten? Warum wird aus einer Kunststoffplatte in der Backröhre eine Tasse? Und was sieht man, wenn man in einem Polarcamp aus dem Fenster schaut?

Golm. Wie wurden Gravitationswellen gemessen und warum kann man damit schwarze Löcher beobachten? Warum wird aus einer Kunststoffplatte in der Backröhre eine Tasse? Wie sehen die gefräßigsten Pflanzen aus? Was sieht man, wenn man in einem Polarcamp aus dem Fenster schaut? Alle diese und noch viele, viele Fragen mehr wurden am Samstag beim Potsdamer Tag der Wissenschaften im Wissenschaftspark Golm beantwortet.

Und die Potsdamer waren neugierig. Über 15 000 Besucher kamen an den westlichen Stadtrand, um die Angebote von rund 40 Institutionen zu begutachten und eine oder gar mehrere der 230 Einzelveranstaltungen zu besuchen. „Als ich 1993 das erste Mal nach Golm kam, war es hier ziemlich trist. Doch seither ist sehr viel passiert“, sagte ein Wissenschaftler. Tausende Menschen arbeiten mittlerweile im Wissenschaftspark. Auf die Frage nach dem Besonderen des Areals antwortete Professor Alexander Böker vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung: „Das Bedeutsame ist die Nähe, dass sich die Institute gegenseitig befruchten. Von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung haben wir hier alles.“

Doch nicht nur Institute aus Golm, sondern auch Einrichtungen und Schulen aus der gesamten Stadt und der Region stellten sich am Samstag vor. Am Stand des Instituts für Ernährungswissenschaft etwa konnten die Besucher essbare Insekten probieren. Mit ihnen soll der künftige Lebensmittelbedarf einer stark wachsenden Weltbevölkerung gedeckt werden, da dieser durch die herkömmliche Fleischproduktion allein nicht gelöst werden kann. „Schmeckt“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs nach einer Kostprobe. „Millionen Vögel können nicht irren“, fügte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (beide SPD) launig hinzu.

Schüler der Voltaire-Gesamtschule zeigten an ihrem Stand Experimente zur Bestimmung des Kalkgehaltes und des ph-Wertes von Bodenproben. Ihre Erkenntnis: Sehr saubere Böden sind nicht so gut für die Pflanzen, denn es fehlt an Nährstoffen. Beim Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) konnte man wiederum erfahren, welche Auswirkungen Luftverschmutzungen auf den menschlichen Organismus haben. Forscher des IASS sind auch am Feldversuch zur Verringerung der Luftschadstoffe in der Potsdamer Zeppelinstraße beteiligt, der Anfang Juli beginnen soll.

Besonders reges Interesse herrschte auf dem mobilen Polarcamp des Alfred-Wegener-Instituts. Besucher konnten eine Kabause besichtigen, in der bis zu sechs Wissenschaftler während ihres Aufenthalts in der Antarktis übernachten. Während zweier Schaltungen zur Neumayer-Station III beantworteten die Wissenschaftler bei minus 22 Grad Außentemperatur viele Fragen. In Golm schien derweil die warme Sonne.

40 Mal wurde das Foto der Schule in der Potsdamer Innenstadt schon geteilt, um möglichst viele Nutzer zu erreichen. Auch Kommentare gibt es einige im Netz. „Sehr schön getroffen“, „Well done“, oder einfach nur „Viel Glück“ schreiben die Facebook-Nutzer zu der Aufnahme von Julian Moyzes. Wer die Potsdamer Schüler unterstützen will, kann das Bild auf der Seite der CBS Cologne Business School liken.

Von Jens Trommer

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