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15 Schulleiter aus China besuchten gestern die Voltaire-Gesamtschule

ÜBRIGENS
... hat sich der gute Ruf der Voltaire-Gesamtschule – alle Jahre wieder am stärksten von Siebtklässlern angewählt – schon bis ins ferne China verbreitet. Morgen ist eine Delegation von Schulleitern aus dem Reich der Mitte zu Gast, die von den Pädagogen lernen will. Ein Thema des Erfahrungsaustauschs: Berufs- und Studienvorbereitung.

Besuch aus China
15 Schulleiter aus China besuchten gestern die Voltaire-Gesamtschule. Die Pädagogen tauschten sich mit den Potsdamer Kollegen unter anderem über die Berufsorientierung und -beratung sowie die Studienvorbereitung für Schulabgänger und Abiturienten aus.

(Quelle: MAZ 12. und 14. 12.2012)

Kaddisch für Kann

Von Steffi Pyanoe

Stadtgeschichte: Voltaire–Schüler forschen zu Stolpersteinen und bieten Führungen an

Marie Debus freut sich. „Schön, dass es so viele werden“, sagt sie, als nach und nach etwa zehn Teilnehmer eintreffen. Die Schülerin der 13. Klasse der Voltaire-Gesamtschule leitet eine sogenannte Stolpersteinführung, es ist das dritte Mal, dass die Neunzehnjährige mit Besuchern durch die Potsdamer Innenstadt geht und ihnen anhand der kleinen Messinggedenksteine etwas über das Schicksal der von den Nationalsozialisten deportierten jüdischen Bürger erzählen wird.

Die Beschäftigung mit diesem Teil der Stadtgeschichte gehört seit sechs Jahren zum Curriculum der Voltaire-Schule. Als in Potsdam die ersten Steine verlegt wurden, begann man, im Religionsunterricht systematisch die Schicksale der betroffenen Menschen zu erforschen „Wir dürfen ins Brandenburgische Landesarchiv“, sagt Religionslehrerin Ulrike Boni-Jacobi, und weil die Nazis alles so akribisch aufgeschrieben haben, finde man da einiges, zum Beispiel Listen mit dem konfisziertem Eigentum. Die Aufgabe der Schüler sei es, „aus den Nummern Menschen, Persönlichkeiten zu machen“, so die Lehrerin. Der Arbeit im Archiv folgt die Kontaktaufnahme mit Angehörigen, beispielsweise in New York City, London oder Israel. Daraus hat sich mittlerweile ein reger Austausch zwischen Voltaireschülern und Schülern der Harishonim Highschool Herzliya in Israel ergeben.
Natürlich reichen dazu nicht ein oder zwei Stunden Religionsunterricht, viel passiere nach Schulschluss oder an den Wochenenden, sagt Boni-Jacobi, die betont, dass die Schüler von der Auseinandersetzung viel mitnehmen – vor allem ein gestärktes Demokratiebewusstsein und die Motivation, sich weiterhin gesellschaftlich zu engagieren.
Marie Debus und Vanessa Brüchert aus der 11. Klasse bieten seitdem Führungen an. Am Montag kommt noch David Sivertsev dazu. Der Siebzehnjährige gehört zu einer Potsdamer jüdischen Gemeinde und will an jedem Halt das Kaddisch Jatom sprechen, das jüdische Trauergebet – zum Gedenken an die Opfer, an die die Stolpersteine erinnern. Den Kontakt hat die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hergestellt.
Der erste Halt ist gleich neben der Hauptpost, dem Ort, wo bis zur Pogromnacht am 9. November 1938 Potsdams Synagoge stand. „Das wissen Sie ja alles noch aus Ihrem Geschichtsunterricht“, sagt Marie Debus. Vermutlich sei sie nur deshalb nicht vollständig niedergebrannt, erklärt die Schülerin, um das Postgebäude nicht zu gefährden. „Das ist jetzt nachgewiesen – das haben wir dem Oberpostmeister zu verdanken“, wirft eine Frau in die Runde. Überhaupt kommen oft rege Gespräche zustande – dass wieder irgendwo Steine zerkratzt sind und in Cottbus sogar welche geklaut wurden.
Vor dem Haus am Platz der Einheit werden dann die Lebensdaten vom Messingstein vorgelesen: Wilhelm Kann, geboren 1880, deportiert nach Theresienstadt 1943, Tod am 4. 1. 1944. Er war der Kantor der jüdischen Gemeinde. Mit seinem Abtransport war Potsdam judenfrei, wie es damals hieß. Marie Debus: „Er war einer von sechs Millionen – vielleicht zählen Sie mal – eins, zwei, drei... Aber er war keine Nummer: Mochte er Schokoladenkuchen, mochte er Musik? Das kann man nicht mehr rausfinden.“
22 Steine gibt es bis jetzt in der Stadt, eingelassen im Fußweg vor dem jeweils letzten Wohnort der jüdischen Bürger. Sechs davon will Marie Debus mit den Teilnehmern besuchen. Bisher sind die Voltaire-Schüler die einzigen, die Führungen dazu anbieten.
Sie werden gut angenommen, sagt Boni-Jacobi, manchmal auch von Schulklassen oder kleinen Reisegruppen. Im Juni sollen zwei oder drei neue Steine verlegt werden, die Forschung zu den betroffenen Menschen hat schon begonnen, sagt die Lehrerin.

Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hier finden Sie den vollständigen Presseartikel!

Stolpersteinführung - Geschichten von Potsdams verlorenen Nachbarn

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Handy: 01573-8999334 (Marie Debus)
Führungen: Montag-Sonntag, bei jedem Wetter, nach Anmeldung
Treffpunkt: Platz der Einheit 2, vor der Hauptpost (Tour A - Innenstadt, zu Fuß), Karl-Liebknechtstr. 135, vor dem Rathaus Babelsberg (Tour B - Berliner Vorstadt, per Fahrrad)